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Leishmaniose beim Hund: Risiko, Symptome und was wirklich schützt

Leishmaniose wird von Sandmücken übertragen, die zwischen April und November nach Einbruch der Dämmerung stechen. Der wirksamste Schutz ist nicht die Impfung, sondern ein Mittel, das die Mücke abwehrt, bevor sie sticht — aufgetragen mindestens 24 Stunden vor der Abreise, besser eine Woche.

Geprüft am 20.09.2026 · nächste Prüfung 01.04.2027

Hund liegt abends geschützt hinter einem Insektengitter KI-Bild

Der Stich dauert Sekunden, und die Folgen zeigen sich manchmal erst nach Jahren. Genau das macht Leishmaniose zu der Krankheit, die bei Mittelmeerreisen am meisten Aufmerksamkeit verdient — und zu der, bei der die meisten Halter das Falsche tun.

Was passiert

Der Erreger ist ein Einzeller: Leishmania infantum. Übertragen wird er von den blutsaugenden Weibchen verschiedener Sandmückenarten der Gattung Phlebotomus. Die europäische Leitlinie beschreibt es knapp: „transmitted by the blood-sucking females of several Phlebotomus species”.

Sandmücken sind keine Stechmücken. Sie sind kleiner, kaum zwei bis drei Millimeter groß, fliegen lautlos und kommen durch normale Fliegengitter hindurch. Man hört sie nicht, man merkt den Stich nicht.

Wo und wann

Endemisch ist die Krankheit in Südeuropa. Bemerkenswerter ist, wie weit das Verbreitungsgebiet des Überträgers inzwischen reicht: Die Leitlinie hält fest, dass sich das Gebiet von Phlebotomus perniciosus bis nach Nordfrankreich erstreckt und die Art „in localised areas in southern Germany and southern Switzerland” gefunden wurde. In Deutschland wurde sie in der Region um Kaiserslautern nachgewiesen.

Das heißt nicht, dass es in Deutschland ein Ansteckungsrisiko gibt — ob die hier vorkommenden Arten den Erreger überhaupt übertragen können, ist fachlich strittig. Es heißt aber, dass sich die Landkarte bewegt.

Die Flugzeit reicht von April bis November, regional unterschiedlich. Und die Tageszeit ist das eigentlich Verwertbare: „Phlebotomes have a nocturnal circadian activity with most species seeking their hosts after sunset.” Die Mücken suchen ihre Wirte nach Sonnenuntergang.

Daraus folgt eine simple Regel, die nichts kostet: Der lange Abendspaziergang am Strand ist genau die falsche Idee. Verleg ihn vor den Sonnenuntergang.

Warum es so lange dauert

Die Inkubationszeit reicht von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Eine deutsche Übersichtsarbeit formuliert es so: „Die Leishmaniose zeichnet sich durch sehr lange Inkubationszeiten von Monaten bis hin zu Jahren aus.”

Ob und wann die Krankheit ausbricht, hängt von der Immunantwort des einzelnen Hundes ab. Manche Hunde bleiben lebenslang infiziert, ohne je zu erkranken. Andere zeigen nach zwei Jahren erste Symptome — und niemand denkt dann noch an den Urlaub in Apulien.

Deshalb ist ein Test unmittelbar nach der Rückkehr wenig wert.

Woran man es erkennt

Die Zahlen stammen aus der genannten Übersichtsarbeit und beziehen sich auf Hunde mit bereits klinischer Symptomatik:

Hautveränderungen bei 81 bis 89 Prozent. Vergrößerte Lymphknoten bei 62 bis 90 Prozent. Augenveränderungen bei 16 bis 81 Prozent. Blasse Schleimhäute bei 81 Prozent.

ESCCAP beschreibt, wo es typischerweise anfängt: „Häufig sind veränderte Hautareale im Bereich des Stichs der Sandmücke – vor allem an den Rändern der Ohren, der Nase sowie am Unterbauch – erste Anzeichen für eine Infektion.” Dazu kommen Gewichtsverlust trotz normalem Appetit, Schwäche, überlange Krallen.

Wer aus dem Süden zurückkommt und Monate später schuppige Stellen an den Ohrrändern bemerkt, sollte den Urlaub erwähnen. Der Tierarzt kommt sonst nicht darauf.

Der Schutz, auf den es ankommt

Hier liegt das häufigste Missverständnis. Ein Mittel, das Zecken abtötet, hilft gegen Sandmücken nicht — denn der Erreger ist schon übertragen, wenn die Mücke gestochen hat. Was hilft, ist Repellenz: Das Mittel muss die Mücke davon abhalten, überhaupt zu stechen.

Die Leitlinie benennt die Strategie: „Prevention of phlebotome bites by the application of repellents/insecticides in the form of impregnated collars, spot-on and spray formulations is currently the most promising strategy”. Und das Ziel dahinter: „The basic objective is to interrupt parasite transmission.”

Belegt repellierend wirken synthetische Pyrethroide: Deltamethrin in Halsbändern, Permethrin als Spot-on, Flumethrin in Halsbändern. Die Leitlinie nennt für Deltamethrin-Halsbänder ausdrücklich einen abwehrenden Effekt gegen Sandmücken.

Die Vorlaufzeit ist entscheidend und wird fast immer übersehen. ESCCAP Deutschland: „bei Halsbändern mindestens eine Woche, bei Spot-On-Präparaten mindestens 24 Stunden zuvor”. ESCCAP Schweiz nennt für Spot-ons sogar 48 Stunden. Wer das Halsband auf dem Parkplatz vor der Fähre anlegt, hat es zu spät angelegt.

Und eine Einschränkung, die dazugehört: Repellentien senken das Risiko deutlich, können aber „keinen hundertprozentigen Schutz gewährleisten.”

Deshalb kommt das Verhalten dazu. Abends drinnen bleiben. Engmaschige Moskitonetze — normale Fliegengitter halten Sandmücken nicht auf. Der Hund schläft nicht draußen auf der Terrasse.

Die Impfung: nützlich, aber kein Ersatz

In der EU ist ein Impfstoff zugelassen. Er ist laut Leitlinie „indicated to reduce the risk of developing an active infection, clinical disease or both” — er senkt das Risiko, er verhindert die Infektion nicht.

Geimpft wird nach einer Einzelinjektion bei seronegativen Hunden ab sechs Monaten, danach jährlich aufgefrischt. Vor der Impfung ist ein Test nötig, denn ein bereits infizierter Hund darf nicht geimpft werden. ESCCAP empfiehlt mindestens vier Wochen Vorlauf vor der Reise.

Eine Warnung zu älteren Quellen: Bis 2020 gab es einen zweiten Impfstoff mit einem Schema aus drei Impfungen über etwa zehn Wochen. Dieses Präparat wurde weltweit eingestellt. Wer irgendwo „drei Impfungen in zehn Wochen” liest, liest eine veraltete Seite.

Ansteckung ohne Mücke

Von Hund zu Hund ohne Überträger ist die Übertragung möglich, aber auf bestimmten Wegen. Belegt sind: Bluttransfusionen von infizierten Spendern, Übertragung beim Deckakt und von der Mutter auf die Welpen im Mutterleib.

Bei Bisswunden gehen die Quellen auseinander. Die europäische Leitlinie führt diesen Weg als unbewiesen. Die deutsche Übersichtsarbeit schreibt dagegen: „Von Übertragungen durch Bissverletzungen wurde auch in Deutschland berichtet.” Beides steht hier nebeneinander, weil wir nicht wissen, welche Seite recht behält.

Für den Menschen gilt: Leishmaniose ist eine Zoonose — aber die Übertragung läuft über die Sandmücke, nicht über den Kontakt mit dem Hund. Ein infizierter Hund im Haushalt ist keine unmittelbare Ansteckungsquelle.

Nach der Reise

Wegen der langen Inkubationszeit bringt ein einzelner Test direkt nach der Rückkehr wenig. Die Fachliteratur empfiehlt für importierte Hunde eine Untersuchung „direkt nach Import sowie erneut 6 Monate später” auf vektorübertragene Erreger.

Für Urlaubsrückkehrer gibt es keine ebenso klare Vorgabe. Der praktische Weg: Erwähne die Reise bei der nächsten Vorstellung, und lass bei Auffälligkeiten gezielt testen. Die Diagnostik läuft über Antikörpertests, PCR und gegebenenfalls Gewebeproben.

Welche weiteren Erreger am Mittelmeer eine Rolle spielen und wie sich ein Schutzplan zusammensetzt, steht unter Mittelmeerkrankheiten und Parasitenschutz. Zu Impfungen allgemein siehe Impfungen, Reiseapotheke und Tierarzt im Ausland.

Hund mit vorbeugendem Schutzhalsband auf einer mediterranen Terrasse KI-Bild

Häufige Fragen

Was ist Leishmaniose?

Eine Infektion mit dem einzelligen Parasiten Leishmania infantum. Übertragen wird er durch den Stich weiblicher Sandmücken der Gattung Phlebotomus. Die Krankheit verläuft chronisch und ist nach heutigem Stand nicht heilbar, wohl aber behandelbar.

Wo und wann besteht ein Risiko?

In ganz Südeuropa, vom Mittelmeerraum bis Portugal. Das Verbreitungsgebiet der Sandmücke reicht inzwischen bis Nordfrankreich, und einzelne Vorkommen sind in Süddeutschland und der Südschweiz nachgewiesen. Die Mücken fliegen von etwa April bis November, hauptsächlich nach Sonnenuntergang.

Wird die Krankheit von Hund zu Hund übertragen?

Nicht über die Luft oder normalen Kontakt. Belegt sind andere Wege: über Bluttransfusionen, beim Deckakt und von der Mutter auf die Welpen. Ob eine Übertragung durch Bisswunden möglich ist, beurteilen die Fachquellen unterschiedlich — die europäische Leitlinie nennt sie unbewiesen, eine deutsche Übersichtsarbeit berichtet von solchen Fällen.

Welche Symptome sind möglich?

Am häufigsten Hautveränderungen, oft zuerst an Ohrrändern, Nase und Unterbauch, dazu geschwollene Lymphknoten. In einer Auswertung zeigten 81 bis 89 Prozent der erkrankten Hunde Hautsymptome und 62 bis 90 Prozent vergrößerte Lymphknoten. Dazu kommen Gewichtsverlust, Schwäche, Augenveränderungen und Blutarmut.

Reicht die Impfung als Schutz?

Nein. In der EU ist ein Impfstoff zugelassen, der das Risiko einer aktiven Infektion und einer klinischen Erkrankung senkt. Er verhindert die Infektion nicht zuverlässig. Der Mückenschutz bleibt die wichtigste Maßnahme, die Impfung ergänzt ihn.

Wann sollte nach einer Reise getestet werden?

Wegen der langen Inkubationszeit ist ein einzelner Test direkt nach der Rückkehr wenig aussagekräftig. Für importierte Hunde empfiehlt die Fachliteratur eine Untersuchung direkt nach der Einfuhr und eine zweite sechs Monate später. Besprich den Zeitpunkt mit deinem Tierarzt.

Quellen

Einreise- und Gesundheitsregeln ändern sich kurzfristig. Maßgeblich ist immer die zum Reisezeitpunkt geltende Fassung der genannten Primärquelle.

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