Mittelmeerkrankheiten und Parasitenschutz: welcher Erreger von wem kommt
Mittelmeerkrankheiten ist ein Sammelbegriff für Infektionen, die von Sandmücken, Stechmücken und Zecken übertragen werden. Welcher Schutz nötig ist, ergibt sich aus dem Überträger — nicht aus dem Reiseland allein.
Geprüft am 20.09.2026 · nächste Prüfung 01.04.2027
KI-Bild „Mittelmeerkrankheiten” ist kein medizinischer Begriff, sondern eine Reiseklammer. Sie fasst Infektionen zusammen, die eines gemeinsam haben: Ein Parasit bringt sie mit.
Und genau da liegt der Schlüssel. Wer weiß, welcher Überträger welchen Erreger bringt, versteht sofort, warum ein einzelnes Mittel nicht reicht.
Wer was überträgt
Sandmücken übertragen Leishmaniose. Sie fliegen von April bis November, nach Sonnenuntergang. Dazu gibt es eine eigene Seite: Leishmaniose beim Hund.
Stechmücken übertragen den Herzwurm Dirofilaria immitis und den Hautwurm Dirofilaria repens. Der Herzwurm ist laut Leitlinie „endemic across southern Europe and in Slovenia, Romania and Bulgaria”, der Hautwurm in Süd-, Mittel- und Osteuropa.
Zecken übertragen gleich mehrere Erreger. Babesia canis kommt über die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus und ist unter anderem in Nordspanien, Portugal, Frankreich, den Niederlanden und Italien endemisch. Ehrlichia canis und Anaplasma platys kommen über die Braune Hundezecke Rhipicephalus sanguineus, die im gesamten Mittelmeerraum verbreitet ist. Anaplasma phagocytophilum überträgt der Gemeine Holzbock Ixodes ricinus — europaweit, also auch zu Hause.
Und dann ist da die Hepatozoonose, die nicht ins Muster passt. Die Leitlinie stellt klar: „transmission of Hepatozoon spp. is by ingestion of an infected tick and not a tick bite.” Nicht der Stich überträgt, sondern das Verschlucken der Zecke. Ein Hund, der sich die Zecke selbst abknabbert, steckt sich an.
Fast vergessen wird die Thelaziose, der Augenwurm Thelazia callipaeda. Überträger sind Fruchtfliegen der Gattung Phortica, die an der Tränenflüssigkeit saugen. Verbreitung laut Leitlinie: Italien, Frankreich, Schweiz, Spanien, Portugal, Rumänien — und Deutschland.
Abtöten oder abwehren: der Unterschied, auf den es ankommt
ESCCAP unterscheidet in seinen Empfehlungen ausdrücklich zwischen „zeckenabtötenden oder -abwehrenden Präparaten (Akarizide bzw. Repellentien)”. Das klingt nach Wortklauberei und ist der praktische Kern des ganzen Themas.
Ein abtötendes Mittel wirkt, nachdem der Parasit zugebissen hat. Bei Zecken kann das genügen, weil manche Erreger erst nach Stunden übertragen werden — die Zecke stirbt vorher. Wie viele Stunden genau, sagen die geprüften ESCCAP-Seiten nicht, also nennen wir hier keine Zahl.
Ein abwehrendes Mittel verhindert den Stich. Das ist bei der Sandmücke die einzige Chance, denn dort ist der Erreger mit dem Stich schon drin. Die Leitlinie formuliert das Ziel unmissverständlich: „The basic objective is to interrupt parasite transmission.”
Daraus folgt für die Mittelmeerreise: Das Mittel muss repellieren. Belegt wirksam sind topische Pyrethroide — Deltamethrin, Permethrin, Flumethrin, als Halsband oder Spot-on. Orale Präparate stehen in den ESCCAP-Empfehlungen zum Sandmückenschutz nicht. Das heißt nicht, dass sie nichts können; es heißt, dass sie für diesen Zweck nicht genannt werden.
Herzwurm: eine Prophylaxe, die rückwärts funktioniert
Der Name führt in die Irre. Makrozyklische Laktone verhindern nicht den Stich, sondern töten wandernde Larven ab, bevor sie ihren Zielort erreichen. Deshalb wird nach der Exposition behandelt, nicht davor.
Die Leitlinie für den kurzen Urlaub: „For pets spending no more than one month in endemic areas, a single treatment, usually administered soon after returning home, is sufficient to assure complete protection.” Eine einzelne Gabe kurz nach der Rückkehr genügt.
Für längere Aufenthalte: „a monthly regimen should be administered with the first treatment being given within 30 days of entering the risk area.” Monatlich, erste Gabe innerhalb von 30 Tagen nach Ankunft.
Wer dauerhaft im Risikogebiet lebt, behandelt von Frühjahr bis Spätherbst durch.
Ein Plan statt einer Liste
Die Vorsorge hat drei Zeitpunkte, und alle drei gehören besprochen, nicht abgehakt.
Vor der Reise, vier Wochen vorher: Termin beim Tierarzt, mit der Route auf dem Tisch. Repellierender Schutz beginnt mindestens 24 Stunden vor der Abfahrt, bei Halsbändern eine Woche vorher. Wenn eine Leishmaniose-Impfung infrage kommt, braucht sie vier Wochen Vorlauf und einen vorherigen Test.
Während der Reise: Abendspaziergänge vor die Dämmerung legen. Fell täglich absuchen, besonders Ohren, Achseln, Zwischenzehenbereich. Zecken sofort entfernen — und nicht vom Hund abknabbern lassen, siehe Hepatozoonose. Nachts drinnen, bei offenen Fenstern ein engmaschiges Netz.
Nach der Reise: Herzwurmbehandlung innerhalb von 30 Tagen. Und den Urlaub im Gedächtnis behalten. Wenn Monate später etwas auffällt — Hautveränderungen, Mattigkeit, Gewichtsverlust, blasse Schleimhäute —, gehört die Reise ins Gespräch mit dem Tierarzt.
Der „Reisetest” ist kein Test
Ein Hinweis, der jedes Jahr für Verwirrung sorgt: Das Werkzeug, das ESCCAP „Reisetest” nennt, ist kein Bluttest. Du wählst dein Reiseland aus und bekommst „sofort eine Übersicht mit allen Informationen, die für den Parasitenschutz Ihres Vierbeiners wichtig sind” — eine Planungshilfe vor der Reise, abgedeckt sind Leishmaniose, Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose, Borreliose, Würmer und Herzwürmer.
Für Laboruntersuchungen nach der Rückkehr gibt es keine so einfache Antwort. Belegt ist eine Empfehlung für importierte Hunde: Untersuchung direkt nach der Einfuhr und erneut sechs Monate später. Für den Herzwurm nennt die Leitlinie eigene Kontrollintervalle mit Antigennachweis und Mikrofilariensuche.
Was in die Reiseapotheke gehört und welche Impfungen vor einer Reise sinnvoll sind, steht unter Impfungen, Reiseapotheke und Tierarzt im Ausland.
KI-Bild Häufige Fragen
Was sind Mittelmeerkrankheiten?
Ein Sammelbegriff, keine medizinische Kategorie. Gemeint sind Infektionen, die im Mittelmeerraum durch Sandmücken, Stechmücken und Zecken übertragen werden: vor allem Leishmaniose, Herzwurm, Babesiose, Ehrlichiose, Anaplasmose und Hepatozoonose.
Welche Krankheit wird von welchem Parasiten übertragen?
Sandmücken übertragen Leishmaniose. Stechmücken übertragen Herz- und Hautwurm. Zecken übertragen Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose. Die Hepatozoonose fällt aus der Reihe: Sie entsteht nicht durch den Stich, sondern wenn der Hund eine infizierte Zecke verschluckt.
Reicht ein normales Zeckenmittel?
Für Zecken oft ja, gegen Sandmücken nicht. Ein rein abtötendes Mittel verhindert den Stich nicht — und bei Leishmaniose ist der Erreger mit dem Stich schon übertragen. Dort braucht es ein abwehrendes, repellierendes Mittel. ESCCAP unterscheidet zwischen abtötenden und abwehrenden Präparaten ausdrücklich.
Wie schütze ich gegen Herzwürmer?
Anders, als der Name Prophylaxe nahelegt. Makrozyklische Laktone töten wandernde Larven ab, nachdem die Infektion stattgefunden hat. Bei Aufenthalten bis zu einem Monat genügt laut Leitlinie eine einzelne Gabe kurz nach der Rückkehr. Bei längeren Aufenthalten wird monatlich behandelt, beginnend innerhalb von 30 Tagen nach Einreise ins Risikogebiet.
Können Symptome erst später auftreten?
Ja, und das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Bei Leishmaniose reicht die Inkubationszeit von drei Monaten bis zu mehreren Jahren. Erwähne eine Mittelmeerreise deshalb auch dann noch, wenn sie lange zurückliegt.
Was ist der ESCCAP-Reisetest?
Kein Bluttest, obwohl der Name das nahelegt. Es ist ein Online-Werkzeug: Du wählst dein Reiseland und bekommst eine Übersicht, welche Parasiten dort vorkommen und welcher Schutz sinnvoll ist. Gedacht ist es für die Planung vor der Reise.
Quellen
- ESCCAP Europe, Guideline 5: Control of Vector-Borne Diseases in Dogs and Cats, 5. Auflage, Dezember 2024 (PDF) · abgerufen am 20.09.2026
- ESCCAP Deutschland: Ektoparasiten · abgerufen am 20.09.2026
- ESCCAP Deutschland: Reisetest — Länderinformationen zum Parasitenschutz · abgerufen am 20.09.2026
- ESCCAP Deutschland: Expertentipps zum Schutz vor Reisekrankheiten · abgerufen am 20.09.2026
- Schäfer I, Müller E, Naucke TJ: Ein Update zur Leishmaniose des Hundes. Tierärztliche Praxis Ausgabe K 2022; 50: 431–445 · abgerufen am 20.09.2026
Einreise- und Gesundheitsregeln ändern sich kurzfristig. Maßgeblich ist immer die zum Reisezeitpunkt geltende Fassung der genannten Primärquelle.